Hindernisse

Während ich über lange Strecken meiner Reise sagen konnte, es laufe alles wunderbar nach Plan, ich sei im Einklang mit mir selbst und – wenn man das so sagen darf – mit Gott, so begegnen mir jetzt immer wieder kleine, ärgerliche Vorkommnisse, die meinen Lauf hemmen und mich zum Nachdenken wenn nicht zwingen, so doch anregen.

Gestern etwa: Ich bin in Sultanhani gestartet. Im Navi folgte ich der vorgeschlagenen Strecke; Alternativen hätten eine ganze Tagesreise Umweg bedeutet.

Als ich auf noch ganz gut ausgebauter Schotterstraße dabei war, die Stadt zu verlassen, hielten zwei Bauarbeiter mit dem Radlader neben mir an und verdeutlichten mir unmissverständlich, dass ich hier nicht weit kommen würde. Nach Adana müsse ich weiter im Osten die Autostraße nehmen – über Aksaray…

Beim Versuch, über Google Maps eine Alternative zu entwickeln, bin ich aus der aktuellen Navigation ausgestiegen. Und: fortan nicht mehr reingekommen. Es war zum aus der Haut fahren: Gerade jetzt, wo ich sie zum ersten Mal wirklich gebraucht hätte, stand die Navigation nicht zur Verfügung! Die nächsten drei, vier Autofahrer, die hier lang kamen, hauten nämlich in die gleiche Kerbe wie die Radladerfahrer! Es bestand also der Verdacht, dass diese Straße für mich wirklich nicht die allerbeste Wahl war…

In meinen Offline-Karten konnte ich über sehr viele Kilometer in meiner Richtung keine Ortschaft finden. So beschloss ich endlich, meinen Weg etwas weiter östlich zu suchen. Und das bedeutete: Quergehen, ohne nennenswerten Streckengewinn. Anders war das bei der Wegführung, die ich vorfand, für mich nicht zu machen.

Übernachtet habe ich dann in Incesu, und zwar an der Moschee im Gemeinschaftsraum. Auch hier lief nicht mehr alls so glatt, wie ich das beinahe schon gewöhnt war. Davon mehr in einem anderen Beitrag…

Vorher gab es: Einen furchtbar verregneten Tag in Sultanhani, an dem ich nicht wandern mochte. Ahnlich war es auch in Gölyazi gewesen. In Polatli haben mich die Jandarmen 7 Kilometer zurückgefahren – und dann nicht etwa dort hingebracht, wo ich hätte übernachten können, sondern einfach auf die Straße gesetzt. 

Ich bekomme hier und da plötzlich Blasen an den Füßen, ohne dass ein Grund dafür erkennbar wäre. Das gibt dann schon mal den Ausschlag, einen Ruhetag einzulegen, wo ich das sonst nicht machen würde.

So haben sich kleine und größere Ärgernisse, Hemmnisse – oder wie auch immer man es nennen will – gesammelt. Ich bin geneigt, auch den tagelangen stürmischen Gegenwind in diese Kategorie mit aufzunehmen. 

Wenn ich innerlich unerschüttert fest und sicher wäre, was meinen Pilgerweg angeht, könnten sie mir wohl nichts anhaben. Doch mit der Nähe zu Syrien wachsen auch die Zweifel…

Ob ich klar erkennen und entscheiden kann, wo ich langgehen soll und wo nicht, wenn es darauf ankommt? Das steht in den Sternen. 

Allahu’Akbar! Herr, Dir in die Hände sei Anfang und Ende – sei alles gelegt!

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